SGA-Babys - Neugeborene mit einem niedrigen Geburtsgewicht {mögliche Schwierigkeiten & Komplikationen)

Als ich mit Mia auf der Wochenstation war, hat sich ein flüchtiger Moment in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich war irgendwann in der Nacht mit ihr beim Wiegen im Wickelraum, als mir eine junge Frau auffiel. Sie hatte ein sehr kleines Baby auf dem Arm, pumpte zwischendrin immer wieder an der elektrischen Brustpumpe Milch ab und schien allgemein ziemlich verzweifelt und gestresst. Eine Schwester kümmerte sich um sie, erklärte ihr immer wieder, wie viel Milch ihr Baby genau pro Mahlzeit trinken müsse, dass es sehr klein und schwach sei und es deswegen nicht gut an der Brust trinken könne. Ich fühlte mich augenblicklich in die Anfangszeit mit Florian zurückkatapultiert. Es kamen so viele alte Gefühle hoch und die junge Frau tat mir unglaublich leid. Aus den Gesprächen,  die ich zwangsläufig mithörte, erfuhr ich dass sie ein Baby mit einem niedrigen Geburtsgewicht bekommen hatte (ein sogenanntes SGA-Baby) und ich hatte irgendwie im Gefühl, dass sie im schlimmsten Fall eine sehr anstrengende und nervenzehrende Zeit vor sich hatte. Dass vieles vielleicht nicht so laufen würde, wie erhofft. Keine rosarote Wochenbettromantik, stattdessen Angst, Enttäuschung, Überforderung, Ratlosigkeit. 


Aber von vorne. Wenn ihr meinen Blog schon länger lest, dann wisst ihr ja, dass Floh bei der Geburt recht klein und leicht war. Er kam in der 38 SSW mit gerade mal 2310 g und 47 cm auf die Welt. Ich nahm das durchaus zur Kenntnis, war auch etwas überrascht, aber dachte mir nichts weiter dazu. Er kam zwar etwas früher zur Welt, aber dennoch termingerecht; er war kein Frühchen mehr. Auch die Ärzte kommentierten das nach der Geburt nicht weiter. Auf der Wochenstation ging es dann aber los. Man müsse regelmäßig Florians Blutzucker kontrollieren, da er ja so klein sei. Er könne seine Temperatur nicht halten, als müsse er nachts unter der Wärmelampe schlafen. An der Brust trank er gar nicht, also bekam er PRE-Milch, um den Blutzucker stabil zu halten. Ich pumpte ab, um die Milchbildung irgendwie anzuregen. Da man aber nach der Geburt ohnehin total überwältigt und konfus ist, kommt mir das im Nachhinein einfach alles wie ein großes Durcheinander vor, in dem ich einfach gar nicht so recht wusste, was los war. Leider nahm sich keiner wirklich Zeit für uns und es erklärte mir auch niemand genauer, was es bedeutet, ein SGA-Baby zu haben und mit was für Schwierigkeiten und Komplikationen das Ganze behaftet sein kann. Ich hätte mir gewünscht, dass sich jemand einfach ein paar Minuten Zeit dafür genommen hätte, um uns kurz und knapp zu erklären, worauf wir achten sollen und so weiter. Stattdessen wurde immer nur Panik gemacht: Das Kind muss mehr trinken! Mir wurde die Brustpumpe ins Zimmer gestellt, aber niemand nahm sich die Zeit, mir beim Anlegen zu helfen. Das war alles nicht ganz ideal. Am Ende verließ ich das Krankenhaus mitten im Milcheinschuss mit einem Säugling mit Gelbsucht, der nicht an der Brust trank. Super Vorraussetzungen für einen entspannten Start zu Hause. Aber wir landeten ja dann eh am nächsten Tag in der Kinderklinik... 

Da ich damals schon ein paar Worte zu dem Thema auf dem Blog schrieb (hier könnt ihr den Beitrag nochmal lesen), aber nicht so wirklich ins Detail ging, möchte ich das Thema heute nochmal kurz aufgreifen. Ich würde das Bewusstsein für SGA-Babys gerne ein bisschen stärken. Wenn auch nur eine betroffene Mutter diese Zeilen liest und sich danach besser und informierter fühlt, dann bin ich schon zufrieden. Leider sind die Wochenstationen heutzutage oft so überlastet, dass sich das Personal für solche etwas komplizierteren Fälle nicht viel Zeit nehmen kann. Natürlich gibt es viele Neugeborene mit einem niedrigen Geburtsgewicht, die überhaupt gar keine Probleme haben und super ins Leben starten, gut und viel trinken und völlig unkompliziert sind. Aber es kann auch anders kommen. Legen wir also los mit ein paar Informationen und Fakten!

SGA-Babys - ein paar Fakten

  • SGA steht für small for gestational age - die Kinder sind also zu klein für das Schwangerschaftsalter. Das kann unterschiedliche Gründe haben, unter anderem arbeitet die Plazenta bei manchen Frauen nicht ordentlich und das kindliche Wachstum wird dadurch beeinträchtigt. 


  • Eine natürliche Geburt kann diese Kinder extrem schwächen. Oft ist eine Vakuumextraktion, Zangengeburt, oder ein Kaiserschnitt notwendig. Bei uns konnte die Geburt ja auch nur mithilfe der Saugglocke und des Kristeller-Manövers beendet werden. 


  • SGA-Babys können aufgrund der fehlenden Fettschicht ihre Temperatur nicht gut selbst regulieren und kommen deswegen nach der Geburt oft in den Inkubator oder unter die Wärmelampe.


  • Sie bekommen oft Gelbsucht, da die Leber noch nicht so gut arbeitet - Florian hat es damals sehr heftig erwischt.


  • Es kann zu einer Hypoglykämie (niedriger Blutzuckerspiegel) kommen. Das Problem hatte Floh auch. Außerdem kann ein Kalzium- oder Eisenmangel auftreten - es kann zu einer Anämie und Blutgerinnungsstörungen kommen. 


  • Die Atmung und Verdauung sind manchmal noch nicht ganz ausgereift. Florian hatte beispielsweise Atemaussetzer, was uns große Sorgen bereitet hat. Er war noch lange Zeit nach der Geburt an einen Monitor angeschlossen, der seine Atmung überwacht hat. Außerdem bekam er Koffein (ja, wirklich!), um seine Atmung anzuregen.


  • Manche SGA-Babys sind von der Geburt sehr geschwächt. Manche auch durch die Gelbsucht, die ja bei Säuglingen mit einem niedrigen Gewicht vermehrt auftritt. Gelbsucht macht zusätzlich müde. Deswegen sind viele von diesen Kindern auch trinkfaul und das Saugen an der Brust fällt ihnen sehr schwer. Da sie aber oft auch zur Unterzuckerung neigen, müssen sie natürlich erst recht viel trinken! Deswegen wird oft zugefüttert. Auch eine Sonde ist manchmal nötig. Florian wurde in der Kinderklinik immer mal wieder sondiert, weil er einfach gar nicht trinken konnte. In unserem Fall hat diese ganze Problematik letztendlich dazu geführt, dass ich Florian nicht stillen konnte. Er hat es von der Kraft einfach nicht hinbekommen und hatte sich dann natürlich auch irgendwann an seine Flasche gewöhnt. Ab einem gewissen Punkt wurde der Stress auch einfach zu groß und ich habe es aufgegeben. Das war schade, aber manchmal ist das eben so. Am wichtigsten war mir einfach, dass er zunimmt. Egal wie. 


Kann man denn nicht schon in der Schwangerschaft erkennen, ob das Kind zu klein ist?

Allgemein, ja! Meist kann der Frauenarzt im Ultraschall erkennen, ob das Kind sich altersgerecht entwickelt oder eben nicht. Bei uns war es so, dass mein Frauenarzt Florian bei der letzten Untersuchung etwas schwerer eingeschätzt hat und Florian laut dieser Einschätzung auch kein SGA-Baby gewesen wäre. 

Warum war Florian denn nun zu klein?

Das wollten wir natürlich auch wissen, war aber nachträglich nicht so leicht zu sagen. Vermutet wird, dass die Plazenta am Ende nicht mehr ganz so gut gearbeitet hat. Mein Blutdruck war kurz vor der Geburt sehr stark angestiegen, eventuell bestand da ein Zusammenhang. Um beim zweiten Kind dieser Problematik vorzubeugen, habe ich in der Schwangerschaft Aspirin Protect eingenommen, welches blutverdünnend wirkt. Und siehe da: Mia wog bei der Geburt knapp 1 kg mehr als Floh...!

Ihr Lieben, ich hoffe, der Beitrag konnte euch den Begriff SGA etwas verständlicher machen. Bitte beachtet, dass ich natürlich kein Arzt bin - ich habe die Fakten einfach nach bestem Gewissen für euch zusammengetragen und meine persönliche Erfahrung geteilt. Wenn ihr mehr zu dem Thema erfahren wollt, oder vielleicht selbst in einer ähnlichen Situation seid, würde ich das Thema einfach nochmal mit einem Arzt bzw. Klinikpersonal besprechen. Jedes Kind und jede persönliche Situation ist nochmal etwas anders, mehr als ein grobes Bild kann ich hier nicht skizzieren. Und natürlich gibt es viele Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht, denen es blendend geht. Also nicht gleich in Panik verfallen, wenn euer Kind kleiner auf die Welt kommt. Es ist aber sicher nicht verkehrt, die Fakten irgendwo im Hinterkopf zu haben 😊

Alles Liebe
Eure Stilblume

Kommentare

  1. Oh je, das hört sich nach einer schwierigen Zeit an. Ich kenne das auch, nicht, weil ich ein SGA-Baby hatte, sondern ein Frühchen. Meine Geschichte und wie es mir damit fing kannst du gern hier nachlesen https://fulltime-mami.blogspot.de/2017/09/deine-neue-rolle-als-mutter-blogparade.html?m=0

    Liebe Grüße
    Britta von www.fulltime-mami.blogspot.com

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  2. Wir hatten auch ein dysmatures Baby dazu noch ein Frühchen in der 36SSW mit einem Gewicht von 1800g u. 44cm. Nach 3 normalen grossen ja eher grossen Babys mit bis zu 4kg eine Umstellung. Mein Vorteil waren eben die 3 vorher u. mit ihnen eine lange Stillerfahrung. Bei uns hat es von Anfang an gut geklappt mit dem Stillen, hatten da auch volle Unterstützung des stillfreundlichen Krankenhauses. Zum Anfang noch Probleme mit der Temperatur aber sonst gar keine Probleme nach 5 Tagen Klinik konnten wir nach Hause unter engmaschiger Kontrolle.

    LG aus Norwegen
    Ina
    www.mitkindimrucksack.de

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  3. Es hätte meine Geschichte sein können, zumindest gibt es viele Parallelen zu mir und meiner Tochter. Ich wünschte, ich hätte es vor der Geburt gewusst, aber es tut gut zu Lesen, dass es anderen Frauen genau so ergangen ist.Danke, dass du es veröffentlicht hast.

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    1. Ja, es war eine schwierige Zeit und nichts war letztendlich so, wie wir es uns vorher vorgestellt hatten. Aber durch meinen Artikel habe ich viele Frauen kennengelernt, denen es ähnlich mit ihrem Neugeborenen erging. Der Austausch tut gut. :-)

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