Die Sache mit dem Babyschlaf: Ein kontroverses Thema // Meine Meinung


Kaum eine Sache polarisiert unter Eltern so wie das Thema Schlaf. Kaum ein Thema interessiert Verwandte oder Freunde so brennend, wie das Schlafverhalten der Kinder. Wie sind die Nächte? Wie oft müsst ihr aufstehen? Und ich verstehe das vollkommen. Schlaf ist eine lebenswichtige Sache. Bekommt man keinen, so stirbt man. Hat man ein Baby, bekommt man zeitweise wenig davon und glaubt vielleicht manchmal, man würde sterben. Tut man dann aber Gott sei Dank doch nicht.

Manche Babys schlafen viel. Manche wenig. Manche schlafen mit 3 Monaten durch. Manche mit 2 Jahren noch nicht. Manche schlafen monatelang durch und überlegen es sich dann wieder anders. Es ist für jeden etwas dabei. Eltern verbringen Stunden damit, ihre Babys verzweifelt durch die Wohnung zu tragen, sie zu beruhigen, ihnen etwas vorzusingen (been there, done that). Es werden Bücher gelesen, Tipps ausgetauscht, Weisheiten aufgedrängt. Mütter zanken sich in den sozialen Medien darüber, ob Schlaftraining denn jetzt in Ordnung oder vollkommen unmöglich ist, ob es denn jetzt wirklich das Urvertrauen unserer Babys zerschmettert und ob sie dann später total gestört sind. Danach wird dann diskutiert, ob Babys bei uns mit im Bett schlafen dürfen, ob dann tatsächlich alle besser schlafen und wie man dann so noch ein Liebesleben aufrechterhalten kann. Verwandte, Fremde, Freunde, einfach alle mischen sich ein und geben einem Tipps, wie man das Baby am besten zum schlafen und durchschlafen bewegen sollte und erklären einem, was erlaubt ist und was nicht. 

Auch uns hat das Thema Schlaf schier wahnsinnig gemacht. Natürlich weiß man, dass man erst mal weniger schlafen wird, wenn man sich für ein Baby entscheidet. Ist ja vollkommen normal. Was einem aber wenige Leute sagen ist, dass sich dieser Schlafentzug im schlimmsten Fall über sehr lange Zeit ziehen kann. Und dann wird es richtig anstrengend. Ich kann mit Schlafmangel auf Dauer nicht sehr gut umgehen. In den letzten Monaten fühlte ich mich dadurch in meiner Lebensqualität nicht nur  extrem eingeschränkt, sondern richtig krank. Vielleicht gibt es Leute, die total super monatelang mit 3 Stunden Schlaf in der Nacht auskommen und so fit und vital in einen neuen Tag starten. Ich gehöre auf jeden Fall nicht dazu. Und das sage ich auch ganz offen. Es machte mich auf Dauer kaputt. Ich war blass und ausgelaugt, hatte auf nichts Lust und der Alltag war so nur schwer zu bewältigen. Außerdem konnte ich dieses Schlaf-Drama einfach nur schwer akzeptieren, machte mir Vorwürfe und verstand nicht, warum es immer schlimmer wurde, egal was wir taten. Und glaubt mir, wir haben alles probiert. Aber: Als Florian ungefähr 15 Monate alt war, kam bei uns ein großer Wendepunkt. Er schlief durch und er schlief auch nicht nur bis 5:00 Uhr durch, sondern bis 7:00 Uhr. Und wisst ihr was? Nach ungefähr 2 Wochen fühlte ich mich wieder wie ich selbst, wie ein Mensch. Auch wenn die letzten Monate mit Florian so unglaublich schön waren, hatte ich das Gefühl, es geht auch eine ganz schlimme und anstrengende Zeit endlich zu Ende. 

Was mich in dieser schwierigen Zeit aber immer nur noch mehr heruntergezogen hat, waren a) Mütter, die ich auf Spielplätzen kennenlernte, deren Kinder schon ewig durchschliefen (ich war einfach neidisch, ich geb's zu) und b) irgendwelche Mama-Blogs, über die ich stolperte. Dort wurde immer ganz beseelt erklärt, dass Babys nachts ganz viel Liebe und Geborgenheit brauchen, dass es ganz normal ist, dass sie nicht durchschlafen, dass man als Eltern immer mit ganz viel Geduld für sie da sein muss, Tag und Nacht. O-Ton: Ein Babylächeln lässt einen sofort vergessen, wie müde man ist und entschädigt einfach alles. Und nein, sorry, so einfach und rosarot ist es einfach nicht. Florian hat mich echt viel angelächelt und ist das süßeste Baby auf der ganzen Welt, aber ich war trotzdem so müde, dass ich oft weder wusste, welcher Wochentag es ist, noch wann ich das letzte Mal im Supermarkt war. Und ich sehnte mich so sehr nach anderen Müttern, die auch mal ganz offen sagen konnten: Manchmal ist es richtig schlimm, du glaubst du kannst nicht mehr. Und das ist okay - es gehört dazu und irgendwann wird es besser. Bitte versteht mich nicht falsch. Die letzten Monate waren tatsächlich die wundervollsten meines bisherigen Lebens. Aber es waren auch die anstrengendsten. An diese Erfahrung kommt von der Anstrengung und Intensität keine Prüfungsphase und keine Lebenskrise heran. Diese Erfahrung ist einmalig. Und ich finde es auch in Ordnung, dass nicht immer nur alles rosig war. Aber ich finde es weniger in Ordnung, dass kaum darüber gesprochen wird. Dass es so ein Tabu ist, dass einen manchmal einfach alles total ankotzt und man am liebsten in ein Hotel einchecken und einfach mal 36 Stunden am Stück schlafen würde (Hey, vielleicht hätte ich das einfach mal machen sollen!? Haha...).

Außerdem finde ich es immer wieder auf's Neue extrem schade, wie Themen wie der Babyschlaf heutzutage betrachtet werden und wie diese Diskussion um irgendwelche erzieherischen Grundsätze auf Kosten unserer Kinder geführt wird. Niemand kann mit irgendwelchen pauschalen Aussagen oder Methoden den Schlaf in unserer Familie beurteilen oder verbessern. Kein Außenstehender kann mir versichern, dass wir alle automatisch besser schlafen, nur weil mein Kind bei uns mit im Bett schläft. Vielleicht fühlt sich Florian so total gestört und schläft noch unruhiger. Vielleicht rolle ich mich wirklich mal auf seinen kleinen Körper und tue ihm so weh. Vielleicht finde ich auch persönlich keinen Gefallen daran, die ganze Nacht einen Tritt in die Rippen nach dem anderen zu kassieren. (Wir haben es übrigens in der Not mal probiert, zu dritt in einem Bett - und gut geschlafen hat keiner). Genau so wenig kann mir aber irgendjemand empfehlen, Florian nachts einfach mal schreien zu lassen. Vielleicht hat er Zahnweh. Vielleicht hat er schlecht geträumt. Nur wir können einschätzen, warum er weint. Dieses ganze Konstrukt, der Schlaf, die Abwesenheit dessen, ist so eine individuelle, situationsabhängige und fragile Sache... Da hat sich einfach niemand einzumischen. Da hilft auch nicht unbedingt ein Ratgeber aus der Buchhandlung. Da braucht es keine Blogs, die einem erklären, warum das Familienbett die ultimative Lösung ist. Keine alten Tanten, die einem beteuern, dass man Kinder nachts schreien lassen sollte. Es gibt kein Patentrezept. Es gibt keine Regeln. Jedes Kind ist so unterschiedlich und hat andere Bedürfnisse. Es würde mir nicht im Traum einfallen, die Methoden anderer zu verteufeln, egal in welche Richtung. Und Grundsatzdiskussionen zu diesem Thema gehen mir so auf die Nerven. Jede Familie muss für sich eine passende Lösung finden, mit der sie irgendwie zurechtkommt. Und dabei sollte man meiner Meinung nach immer die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigen. Wir haben es beispielsweise letztendlich so gehandhabt, dass ich in Florians Zimmer eine Matratze neben sein Bett gelegt habe und in schwierigen Nächten bei ihm geschlafen habe. Manchmal blieb er in seinem Bett und manchmal lagen wir dann zu zweit auf der Matratze und haben weitergeschlafen. So konnte Alex in Ruhe schlummern und Kraft für den neuen Arbeitstag tanken, Florian ließ sich so extrem gut beruhigen und das Elternbett blieb das Elternbett, was uns persönlich einigermaßen wichtig ist. Außerdem haben wir angefangen, Florian später als normal ins Bett zu bringen, was auch sehr geholfen hat. Für eine andere Familie mag das alles vielleicht gar nicht funktionieren - man muss einfach etwas experimentieren. 

Was ich mit diesem Text sagen möchte ist also a) dass Schlafmangel echt schlimm ist und ich vollstes Verständnis für alle Betroffenen habe 😅 und b) dass jeder seinen eigenen Weg finden und gehen muss. Niemand kennt dich, dein Kind, deine Familie so gut, dass irgendwelche Ratschläge angebracht wären. Das finde ich einen wirklich sehr wichtigen Punkt, den ich gerne allen frischgebackenen Eltern mit auf ihren weiteren Weg geben würde. Es geht einfach, wie bei so vielen Dingen, um die Intuition. Die Frage sollte nicht sein Entscheide ich mich für das Familienbett? oder Finde ich Schlaftraining gut oder böse? Vielmehr sollte sie lauten Was braucht meine Familie? Was hat mein Kind wirklich für Bedürfnisse? Was lässt sich mit unserem Leben vereinbaren? Wo liegen unsere Probleme? Oft gibt es zwischen Schwarz und Weiß vielleicht auch gräuliche Bereiche, die man aber selbst erst erfinden muss. 

Ja, hier ist nun nachts endlich Ruhe eingekehrt. Wir schlafen alle friedlich und sind richtig ausgeglichen und fühlen uns gut. Ich genieße das sooooo sehr. Und ich bin auf jeden Fall schon extrem gespannt, wie unser kleines Mädchen hier alles wieder auf den Kopf stellen wird. Ich bin sehr neugierig, was sie für ein Wesen ist, ob sie mehr Schlaf als Floh braucht... Ob sie länger bei uns im Zimmer schlafen wird. Wie die zwei dann zu zweit in einem Zimmer zurechtkommen. Das alles wird sich mit der Zeit herausstellen. We shall see 😊 

Ihr Lieben, ich hoffe, der Artikel gefällt euch und erreicht den ein oder anderen, der daraus wirklich seinen Nutzen ziehen kann. Ich freue mich auch, eure Meinung zu dem Thema zu hören. Hinterlasst mir doch einen Kommentar! 

Alles Liebe 
Eure Stilblume

Kommentare

  1. Wie recht du doch hast <3 ganz wunderbar geschrieben. Vielleicht hätte es dir schon geholfen, diesen Text in deiner schlimmen Schlafmangel-Phase zu schreiben.
    Ich finde, dass jedes Elternpaar die Chance haben sollte, sein eigenes Kind einfach so großzuziehen wie es das möchte denn die ganzen schlauen Ratgeber hatten ihre Chance schon :). Ich persönlich bin unfassbar dankbar dafür, dass ich seit meinem Geburtsvorbereitungskurs eine WhatsApp Gruppe mit den ganzen Mamas habe, unsere Babys schon bald ein halbes Jahr werden und wir uns Tag für Tag austauschen und uns unterstützen und halt geben und uns miteinander freuen und einfach so verdammt ehrlich zueinander sind denn es ist weiß Gott nicht alles immer schön und das darf man auch sagen denn die Liebe zum Kind wird ja dadurch nicht gemindert UND man darf auch mal wehmütig an die Zeit als Paar zurückdenken, als noch kein Baby da war und das bedeutet nicht im geringsten, dass kein Kind zu haben eine Option wäre. Ein Hoch auf alle Mamas und Papas!!!

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar! Ja - wie recht du hast! Ich vermisse auch manchmal die Zeit zu zweit, die Unabhängigkeit... die Möglichkeit, einfach mal in den Tag hineinzuleben. Aber das bedeutet nicht, dass ich meinen Floh weniger liebe. Aber wir sind eben auch nur Menschen, nicht wahr? Ich find's auf jeden Fall schön, dass du auch so denkst und ebenso ehrlich bist :-D

      Liebste Grüße!
      Julia

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