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Die Basics: Wie fotografiere ich im manuellen Modus? {Blende, ISO & Belichtungszeit}

Dienstag, 2. Mai 2017

Nachdem mein letzter Post zu meiner Fotoausrüstung und der Welt der spiegellosen Systemkameras so gut bei euch angekommen ist (hier könnt ihr den Beitrag lesen!), habe ich mir gedacht, ich widme mich heute mal einem weiteren wichtigen Thema im Bereich Fotografie: dem manuellen Modus!

Früher war der manuelle Modus an meiner Kamera ein riesiges Mysterium für mich. Ein paar Mal habe ich versucht so ein Bild zu schießen, habe dann festgestellt es sieht nicht gut aus und das kleine Drehrad schnell wieder zurück zu Automatik geschoben. Meine Safe Zone, puuuuhhhh. Und ich bin mir relativ sicher, dass es vielen von euch da draußen genauso geht! Aber: Ihr müsst keine Angst vor dem manuellen Modus haben! Im Gegenteil. Er wirkt weitaus komplizierter als er tatsächlich ist und man muss eigentlich nur ein paar Basics verstehen und etwas üben, um am Ende richtig tolle Fotos zu schießen. Seitdem ich im manuellen Modus fotografiere, bin ich quasi in eine neue Welt eingetaucht und das Fotografieren macht einfach tausend Mal mehr Spaß. Heute möchte ich euch also ein paar Basics zur manuellen Fotografie mitgeben, damit auch ihr mehr aus eurer Kamera herausholen könnt! Legen wir nun also auch schon los!

Es gibt drei wichtige Grundpfeiler der manuellen Fotografie: Blende, ISO & Belichtungszeit - alle haben ganz grob etwas mit Licht zu tun. Diese drei Einstellungen müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit am Ende ein schönes und korrekt belichtetes Bild entsteht. Im Automatik-Modus nimmt die Kamera diese Einstellungen selbst vor. Aber da eine Kamera einfach nicht ganz so clever ist wie ein Mensch, stößt sie unter schwierigen Lichtbedingungen schnell an ihre Grenzen und das Bild sieht einfach nicht gut aus. Wenn ihr die volle Kontrolle über Blende, ISO und Belichtungszeit habt, sind eure Möglichkeiten fast grenzenlos und ihr könnt ein Bild genau so schießen wie ihr es euch im Kopf vorstellt.

Okay - jetzt müssen wir ein bisschen in die Tiefe gehen! Ich versuche alles ganz einfach zu erklären, so dass es hoffentlich nicht allzu verwirrend ist...



Blende

Hier könnt ihr regeln, wie viel Licht ins Objektiv gelangt. Es gibt sehr lichtstarke Objektive, die bei offener Blende sehr viel Licht ins Objektiv lassen und es gibt weniger lichtstarke Objektive, deren Blendenwert sich nicht so weit herunterregeln lässt. Ich habe ein recht lichtstarkes Objektiv: Die Blende lässt sich bis auf f/1,8 öffnen. Je niedriger diese Zahl ist, desto mehr Licht gelangt ins Objektiv. Das macht euer Bild heller und hilft bei schlechten Lichtverhältnissen. Je höher ihr diesen Blendenwert dreht, desto weniger Licht gelangt ins Objektiv - das Bild wird dunkler. Das f vor der Zahl steht eigentlich für focal length, braucht euch aber nicht zu irritieren - merkt euch einfach, dass ihr daran erkennen könnt, dass es sich um den Blendenwert handelt.

Die Blende regelt aber nicht nur die Helligkeit eures Bildes, sondern beeinflusst auch die Schärfentiefe. Das bedeutet: Man kann mit einer offenen Blende (niedriger Blendenwert) einen unscharfen Hintergrund kreieren und schönes Bokeh erzeugen. Dieser Effekt ist bei vielen sehr beliebt und gerade in der Portrait-Fotografie sehr hilfreich, da man sein Model so sehr gut freistellen kann. Je höher der Blendenwert ist, desto weniger unscharf wird der Hintergrund. In der Landschaftsfotografie würde man eher eine hohe Blendenzahl einstellen, damit alles scharf ist. Probiert es einfach mal aus! Zwar wird diese Schärfentiefe auch noch von anderen Faktoren beeinflusst, aber dazu vielleicht ein andermal mehr. Fangen wir heute erst mal langsam an!

Also, nochmal die Basics: Eine offene Blende (niedriger Blendenwert, z.B. f/1,8) macht euer Bild heller und erzeugt einen unscharfen Hintergrund. Eine weniger offene Blende (hoher Blendenwert, z.B. f/18) macht euer Bild dunkler und ein größerer Bereich des Bildes ist scharf. Es hängt aber von eurem Objektiv ab, wie flexibel dieser Blendenwert ist - also: Augen auf beim Objektiv-Kauf!



Mithilfe der Birnen oben habe ich euch das alles nochmal visuell dargestellt. So versteht man es oft besser! Links ist die Blende offen, weswegen das Bild sehr hell ist und die Birnen im Hintergrund ganz verschwommen sind. Rechts ist die Blende schon weiter zu und dadurch ist das Bild sehr viel dunkler und ein größerer Bildbereich ist scharf.

ISO

Kommen wir nun zum ISO-Wert, der ebenfalls die Helligkeit eures Bildes regelt. Als Faustregel: An einem normalen, hellen Tag würde man draußen mit einem ISO-Wert von 100 fotografieren. Drinnen oder bei schlechten Lichtverhältnissen, würde man den ISO-Wert nach oben drehen. Das Bild wird so heller, allerdings sollte man beachten, dass ein zu hoher ISO-Wert zu unschönem Bildrauschen führt. Das bedeutet einfach, dass das Bild sehr körnig und unschön aussieht. Man kann das hinterher in Photoshop zwar noch ein bisschen korrigieren, aber einfacher ist es, das von vornherein zu vermeiden. Manche (meist recht teuren) Kameras kommen sehr gut mit höheren ISO-Werten zurecht, aber grundsätzlich sollte man versuchen, diesen Wert recht niedrig zu halten. Es ist nicht so kompliziert, ein Bild im Nachhinein in der Bildbearbeitung noch etwas aufzuhellen.

Also, merken: Ein normaler ISO-Wert liegt bei etwa 100-200. Wenn man ihn zu hoch dreht, resultiert das in unschönem Bildrauschen.


Oben auf dem linken Bild war der Tag sehr hell und freundlich, weswegen mit einem ISO-Wert von 100 fotografiert wurde. Auf dem rechten Bild war es recht düster und das Bild wurde innen geschossen: Hier musste ein recht hoher ISO-Wert von 800 eingestellt werden. Es ist aber kein Rauschen zu erkennen, da meine Kamera sehr gut mit diesem Wert zurechtkommt.



Wie sieht Bildrauschen genau aus?

So sieht unschönes Bildrauschen aus. Meist muss man ein bisschen in das Bild hineinzoomen, um es vollständig zu erkennen. Oft sticht es an dunkleren Teilen des Bildes auch mehr hervor.

Allgemein wirkt die Struktur des Bildes einfach ein bisschen krisselig und nicht schön smooth, wie man sich das wünscht.




Gibt es einen bestimmten ISO-Wert, ab dem dieses Bildrauschen beginnt?

Das kann man leider so pauschal nicht beantworten. Jede Kamera kommt schlechter oder besser mit höheren ISO-Werten zurecht. Insgesamt sind Hersteller aber natürlich sehr bemüht, diese Grenze immer weiter auszudehnen. Man könnte also zum Beispiel ganz grob davon ausgehen, dass eine neue Spiegelreflexkamera in diesem Bereich sehr viel besser abschneidet, als eine uralte Kompaktkamera. Auch teurere Modelle, die eher für Profi-Fotografen gedacht sind, fangen erst bei relativ hohen ISO-Werten an zu rauschen.

Außerdem finde ich: Man sollte das Bildrauschen nicht als den absoluten Endgegner sehen. Oft erkennt man es kaum, wenn man sich nicht so damit auskennt und zweitens fällt es auch weniger auf, wenn das Bild nicht allzu groß abgebildet wird. Vielleicht hat man zum Beispiel ein wunderschönes Bild von seinem Kind geschossen, bei dem der Hintergrund an manchen Stellen eine leichte Körnung aufweist... Vermutlich wird einem das ziemlich egal sein, weil einem das Bild einfach so viel bedeutet. Viele Fotografen machen aus diesem Thema eine richtige Wissenschaft, aber ich sehe es recht entspannt und gerade bei privaten Bildern, die nicht Teil einer Kooperation o.ä. sind, ist mir das alles nicht so wichtig.

Belichtungszeit

Kommen wir nun zur Belichtungszeit, die meistens in Bruchteilen von Sekunden angegeben wird (z.B. 1/125 oder 1/1000). Hier geht es einfach darum, wie lange das Licht auf den Sensor eurer Kamera fällt. Auch die Belichtungszeit beeinflusst die Helligkeit eures Bildes. Denn: Je länger Licht auf den Sensor fällt, desto heller wird das Bild. Längere Belichtungszeiten (wie z.B. 1/50) machen euer Bild also heller, kürzere Belichtungszeiten (wie z.B. 1/1000) machen euer Bild dunkler. Allerdings sollte man auch beachten, dass sehr lange Belichtungszeiten auch bedeuten, dass das Bild sehr leicht verwackelt. Hier ist es dann ratsam mit einem Stativ zu arbeiten. Einfacher ist es in den meisten Situationen, mit einer kürzeren Belichtungszeit zu fotografieren - so kann man auch ohne Stativ scharfe Bilder schießen und Bewegungen einfrieren. Das ist zum Beispiel ganz sinnvoll, wenn man Sportler oder wuselige Kinder fotografiert, die permanent in Bewegung sind. Allerdings kann man mit einer sehr langen Belichtungszeit auch sehr kreative Bilder produzieren und coole Effekte erzielen. Kennt ihr diese Nachtaufnahmen, wo Autos oder Züge wie fließende Lichtstrahlen abgebildet sind? Diesen Effekt hat man zum Beispiel mit einer langen Belichtungszeit erreicht.

Nun aber nochmal kurz und bündig zusammengefasst: Längere Belichtungszeiten (z.B. 1/50) machen das Bild heller, aber das Bild verwackelt ohne Stativ sehr leicht. Kürzere Belichtungszeiten (z.B. 1/1000) resultieren in einem dunkleren Bild, das man aber ohne Stativ frei aus der Hand schießen kann.


Das Zusammenspiel von Blende, ISO und Belichtungszeit

Wie ihr seht, sind diese drei Einstellungen sehr eng miteinander verknüpft und man muss immer an alle drei Komponenten denken, bevor man ein Bild schießt. Blende, ISO und Belichtungszeit arbeiten immer zusammen und auch wenn einen das anfangs etwas überfordert, gewöhnt man sich sehr schnell daran! Mit etwas Übung begreift man, wie die Einstellungen sich gegenseitig beeinflussen und was passiert wenn man gewisse Werte kombiniert.

Wie fotografiere ich?

Wenn ich ein Foto schieße, überlege ich mir immer zuallererst, was ich eigentlich möchte. Schieße ich ein Bild von Florian, bei dem der Hintergrund schön unscharf sein soll? Dann sollte der Blendenwert irgendwo bei f1,8 (oder leicht darüber) liegen. Dann passe ich die anderen beiden Werte an. Die Belichtungszeit sollte nicht zu lang sein, weil Florian sich viel bewegt und das Bild sonst verwackelt. Und der ISO-Wert wird dann noch so angepasst, dass am Ende alles schön hell ist. Vielleicht verändere ich die Belichtungszeit und den ISO-Wert noch ein paar Mal, bis alles perfekt ist und dann schieße ich mein Bild. Bei modernen Kameras kann man auf dem Display meist schon 'live' sehen, was die Einstellungen bewirken, was ja wirklich toll ist, gerade wenn man übt und noch etwas unsicher ist.

Wenn ich ein Bild von einer schönen Seenlandschaft oder so machen möchte, würde ich mit einem höheren Blendenwert starten und die Helligkeit dann noch über Belichtungszeit und ISO anpassen.

Man entwickelt nach und nach eine gewisse Routine und merkt auch schnell, wie man am liebsten fotografiert. Ich liebe es, mit offener Blende zu fotografieren. Aber bestimmt gibt es auch Personen, die dem nicht ganz so viel abgewinnen können und sich für ihre Bilder einen anderen Look wünschen. Das muss man einfach ausprobieren! Wichtig ist es einfach, sich der Funktionen dieser drei Werte bewusst zu sein. Durch Übung wird man dann immer routinierter und denkt irgendwann kaum noch darüber nach, wenn man diese Einstellungen vornimmt.


Und abschließend noch eine kleine Motivation: Das linke Bild wurde im manuellen Modus geschossen, das rechte Bild im Automatik-Modus. Ich glaube, es liegt auf der Hand, welches Bild besser aussieht 😁 Natürlich kann man mit der Bildbearbeitung noch einiges aus dem rechten Bild herausholen, aber das Resultat wird trotzdem nur mittelmäßig sein. Und das Ziel sollte auch immer sein, seine Bilder so zu schießen, dass fast keine Nachbearbeitung mehr nötig ist.

Ihr Lieben - ich hoffe diese kleine Lehrstunde hat euch Spaß gemacht! Lasst mir gerne noch Fragen da, solltet ihr welche haben!

Alles Liebe
Eure Stilblume
1 Kommentar on "Die Basics: Wie fotografiere ich im manuellen Modus? {Blende, ISO & Belichtungszeit}"
  1. Hallo Julia,

    cool, dass du dir die Mühe machst, das Schritt für Schritt zu erklären. Das probiere ich heute beim Spazierengehen gleich mal mit meiner Kamera aus. Bisher habe ich nämlich nur die Automatikmodi benutzt.

    Viele Grüße,

    Frieda

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