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Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit bei der Einführung der B(r)eikost

Donnerstag, 29. September 2016

Als ich vor knapp zwei Monaten anfing, Florian zum ersten Mal Gemüsebrei anzubieten, war die Begeisterung nicht wahnsinnig groß. Ich hatte im Internet recherchiert, wie man das denn macht mit dem ersten Brei. Es heißt, man gibt zum Beikost-Start Karotte, dann kommt Kartoffel dazu, dann Fleisch. Das ist die Vorgabe. Also bin ich losgedackelt, habe ein kleines Gläschen Karottenbrei gekauft und es Florian dann eines mittags ganz nonchalant angeboten. Er fand's erst irgendwie interessant und das mit der neuartigen Löffel-Technik auch ziemlich spannend (wenn auch verwirrend), aber nach dem anfänglichen Interesse wurde die Karotte eindeutig für extrem unlecker befunden! Nach den ersten paar Löffeln blieb der Mund fest zu und er drehte den Kopf vehement und sehr eindeutig in die entgegengesetzte Richtung. Ok, egal. Neuer Tag, neues Glück! Doch er lehnte die Karotte auch am nächsten und übernächsten Tag ab. Immer wieder. Und alles andere leider auch! Ich habe ihm wirklich viel angeboten und schnell gemerkt: Der kleine Floh ist ganz schön wählerisch. Am meisten gehasst hat er Kartoffel. Das einzige Gemüse, das er dann letztendlich essen wollte? Weiße Karotte von Hipp. Ich wusste bis dato gar nicht, dass es die weiße Karotte überhaupt gibt! Aber ja, in einem gut sortierten DM kann man davon ausgehen ihr zu begegnen. Also habe ich ihm den Spaß gelassen und er hat mittags gute 3 Wochen nichts außer weißer Karotte gegessen. Wehe ich mischte heimlich anderes Gemüse hinein. Wehe! Dann wurde sofort gewürgt und ein riesiges Theater gemacht. Mir war schon bewusst, dass Florian dann irgendwann auch mal etwas anderes essen müsste, aber ich wollte ihn zu nichts drängen. Ich finde, dass Essen Spaß machen soll und es ist mir sehr wichtig, dass Florian das schon früh lernt. Essen soll niemals als Machtspiel dienen und ich möchte ihn nicht zwingen, Dinge zu essen, die er nicht mag. Ich habe ihm also ganz entspannt seine Zeit mit der weißen Karotte gelassen und ich glaube, er hat sie richtig genossen.

Nachmittags habe ich ihm dann nach und nach verschiedenes püriertes Obst angeboten, was ihm auch sehr gut geschmeckt hat (fast noch besser als die weiße Karotte). Und da kam mir eine grandiose Idee! Ich habe angefangen ihm mittags ganz vogelwilde Kreationen aufzutischen. Weiße Möhre mit Rindfleisch, Apfel und Birne. Gemüse mit Huhn, Mango und Banane. Reis mit Karotte und Heidelbeeren. Er fand es super super super! Ein bisschen Obst hat den etwas strengen Gemüsegeschmack wunderbar übertüncht und er fand die (für uns etwas befremdlichen) Kombinationen einfach klasse. Manchmal habe ich auch ein bisschen Pre-Nahrung in den Brei gemischt. Und ich habe den Brei immer noch mit etwas Rapsöl verfeinert, so dass er samtiger wird und Florian ihn leichter schlucken kann. Ich habe nämlich festgestellt, dass die Konsistenz (gerade wenn Kartoffel mit im Spiel ist) manchmal etwas sehr mehlig und trocken ist. Inzwischen isst er normalen Brei (z.B. Kartoffel-Gemüse-Fleisch) mit ein bisschen PRE-Milch und Rapsöl verfeinert, meckert und würgt kein bisschen mehr und isst für seine Verhältnisse sogar relativ viel davon. Abends bekommt er einen Grießbrei mit Obst und den findet er auch klasse! Es hat knapp 2 Monate gedauert, bis wir an diesem Punkt angelangt waren. Aber ich habe zu keinem Zeitpunkt die Ruhe verloren. Und ich glaube das ist ganz wichtig. 

Wenn man als neue Mutter im Internet stöbert, kann man sich schnell verrückt machen lassen. Überall findet man Tabellen und Regeln, was den Beikost-Start betrifft. Genaue Mengenangaben. Foren, in denen ängstliche Mütter fragen, was denn wohl geschieht, wenn ihr Sohn den Karottenbrei verschmäht. Meine Antwort? Es geschieht rein gar nichts! Aber, man kann sich da durchaus verrückt machen lassen. Schließlich ist die Urangst, das Kind könne verhungern, tief in uns verankert. Es wird aber nicht verhungern. Die Kleinen holen sich schon, was sie brauchen. Gerade in dieser Phase bekommen sie noch so viele Nährstoffe über die Milch - da kann man ruhig einen Gang zurückschalten und einfach abwarten, bis alles etwas besser läuft. Man darf auch nicht vergessen, dass die Beikosteinführung ein ziemlich großer Schritt ist und für die kleinen Mäuse ganz schön aufregend sein kann. Mit viel Liebe und Geduld klappt das schon irgendwann. 

Und nur weil viele Kinder mit Karotte beginnen, ist das noch lange nicht Gesetz. Interessanterweise habe ich vor kurzem einen längeren Artikel dazu gelesen, was Kinder in anderen Ländern als erste festere Nahrung bekommen. Nämlich keine Karotte. Sondern: Reis mit Papaya und Mango, Artischocke, Avocado, Suppe mit Hühnchen und Gemüse. Das ist ganz unterschiedlich. Und das sollte uns einfach aufzeigen, dass man sich nicht immer so an Schema F festkrallen muss. Ich finde es so wichtig, dass das Kind lernt, dass Essen schön ist. Dass man Mahlzeiten zusammen als Familie genießt. Nicht, dass man um jeden Preis essen muss. 

Ja, diese kleine Geschichte aus unserem Alltag soll den Mamis da draußen einfach zeigen, dass man sein Ziel oft mit etwas Gelassenheit viel leichter erreicht, als wenn man sich unnötig stresst und eine Sache dann letztendlich zum absoluten Zwang wird. Und wenn euer Baby am liebsten Rindfleisch mit Kartoffel und Erdbeeren isst, denkt immer dran, dass das anderswo auf der Welt vielleicht ganz normal ist ;-)

Alles Liebe
Eure Stilblume
Kommentare on "Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit bei der Einführung der B(r)eikost"
  1. Was sind das bitte für zuckersüße Bilder?! ♥♥♥ Man merkt, wie verliebt du in den Kleinen ist und das ist echt schön zu sehen! :)
    Lieben Gruß,
    Jenny

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    1. Ja, ich bin ganz verknallt :-) ♥

      Liebste Grüße!
      Julia

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