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Von Windeln verweht - Die Geburt und das neue Leben mit Säugling // Teil 2

Montag, 25. April 2016

Im ersten Teil dieser Serie habe ich euch ja alles zur Geburt erzählt (hier). Heute möchte ich über die ersten Tage in Florians Leben berichten!

Der kleine Floh war also plötzlich da... ganz schön verrückt. Wir konnten es nicht wirklich glauben und tun uns auch heute nach fast 8 Wochen noch schwer damit! Nach der Geburt sind wir mit ihm in unser Zimmer im Krankenhaus eingezogen und ich habe ihn 24 Stunden einfach nur ungläubig angestarrt, seine winzigen Finger gestreichelt und gelauscht, was er für Geräusche von sich gibt. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, haha. Nichts kann einen auf die Flut an Emotionen vorbereiten, die einen überrollt wenn man sein kleines Neugeborenes in den ersten Tagen in den Armen hält. Die ganzen Hormone sind da auch nicht ganz unbeteiligt und ich habe teilweise nur noch geheult vor lauter Freude. Insgesamt waren es sicherlich die intensivsten Tage meines bisherigen Lebens. Ich habe eine so tiefe Dankbarkeit empfunden und war einfach so überglücklich. Das Gefühl kann man nur schwer in Worte fassen. Rückblickend kommt mir alles vor wie ein Traum. Ob man wohl jemals wirklich begreift, was da für ein Wunder geschehen ist!? Ich weiß es nicht...


Aber die Euphorie war leider nur von kurzer Dauer und ich habe schnell gelernt, dass Muttersein nicht nur aus Glücksmomenten besteht und die Sorgen, die man sich um sein Kind macht, einen regelrecht auffressen können.

Als wir als neue kleine Familie nach drei Tagen Krankenhaus endlich zu Hause waren, wurde alles etwas kompliziert. Der kleine Floh hat nicht getrunken und fast nur geschlafen, war im Prinzip komplett apathisch. Nachts hat er sich gar nicht gemeldet und tagsüber eigentlich auch nicht. Ich sehe ihn jetzt noch vor meinem inneren Auge winzig klein, still und schlafend in seinem Stubenwagen liegen. Das kleine Gesicht ganz orange. Die Schlappheit lag wohl hauptsächlich an der Gelbsucht, die er kurz nach der Geburt bekommen hat. Aber er war auch wirklich sehr klein und schwach. Es schien ihm einfach nicht gut zu gehen. Irgendwann hat sich das alles wirklich nicht mehr richtig angefühlt  - also haben wir ihn in eine Kinderklinik gebracht, in der er dann letztendlich auch eine ganze Woche verbrachte. Er lag zwei Nächte unter der UV-Lampe (so wird die Gelbsucht behandelt) und wurde über eine Magensonde ernährt.

Da der kleine Floh rund um die Uhr überwacht wurde, stellte sich leider zusätzlich heraus, dass er noch nicht ganz so gut atmen konnte und wohl auch Atemaussetzer hatte. Also wurden auf der Suche nach einer Ursache dafür tausend Dinge untersucht, ihm immer wieder Blut abgenommen und so weiter. Ich empfand diese Zeit als unglaublich belastend und war mit den Nerven komplett am Ende. So hatte ich mir die Anfangszeit mit Baby einfach nicht vorgestellt. Und ich hatte so Angst, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Gelbsucht bei Säuglingen ist ja normalerweise kein Drama, aber die Ungewissheit, ob etwas Schlimmeres mit ihm ist, hat mir viele schlaflose Nächte beschert.

Nach ein paar Tagen waren sich die Ärzte jedoch glücklicherweise einig, dass er wohl weder etwas am Herzen hat, noch sonst irgendwie krank ist. Er hatte einfach ähnliche Beschwerden wie viele Frühchen (auch wenn er knapp keines mehr war), was auf sein niedriges Gewicht bei der Geburt zurückzuführen ist (2310 g). Nach einer Woche wurden wir dann endlich entlassen. Uns wurde ein Monitor mitgegeben, an den wir Florian anschließen sollten, um seine Atmung etc. zu überwachen. An diesen ist er nachts immer noch angeschlossen, aber wir hoffen, dass es bald nicht mehr nötig sein wird.

Ich finde es sehr schade, dass die Anfangszeit mit unserem kleinen Floh so holprig und aufregend war. Die Angst hat mir auch in der ersten Zeit nach der Entlassung aus der Kinderklinik noch sehr viel Freude und Leichtigkeit genommen und ich musste das alles erst einmal verarbeiten. So eine Geburt ist ja schon ein sehr überwältigendes Erlebnis - plötzlich hält man da einen kleinen Menschen in den Armen und nichts ist wie es mal war. Und wenn es diesem kleinen Menschen dann schlecht geht, ist das einfach ganz furchtbar und insbesondere unter der Hormonflut nur schwer zu ertragen. Ich habe in dieser Zeit oft an Eltern von richtig kranken Kindern gedacht, so wie auf unserer Station auch sehr viele lagen, und sie taten mir so unglaublich leid.

Aber inzwischen hat sich alles entspannt und Florian entwickelt sich prächtig. Zwar ist er immer noch viel kleiner als andere Babys in seinem Alter, aber er hat nun keine Beschwerden mehr. Nur das mit dem Stillen hat leider aufgrund seiner diversen Problemchen nicht geklappt, was ich schon etwas schade finde. Er musste aber einfach dringend zunehmen und hatte einfach nicht die Kraft, an der Brust zu saugen. Sonde und Flasche waren unsere Rettung. Natürlich hat mich das teilweise sehr frustriert. Aber es ist mir letztendlich wichtiger, dass es ihm gut geht und er stetig an Gewicht zunimmt. Und wenn das nur mit der Flasche geht, dann machen wir es so.

Ich fand es wichtig Florians Probleme mit euch zu teilen, weil mir ein Bericht wie dieser in der Anfangszeit viel Angst genommen hätte. Ich konnte mit Begriffen wie "niedriges Geburtsgewicht" gar nichts anfangen und hatte ja keine Ahnung, dass zu leichte Babys (auch wenn sie termingerecht geboren wurden) einige Startschwierigkeiten haben können. Und da es gar nicht so selten vorkommt, dass Babys noch etwas unterentwickelt sind wenn sie auf die Welt kommen, kann ja vielleicht die ein oder andere zukünftige Mami aus diesem Post ihren Nutzen ziehen. Und wenn ich noch einen Tipp geben darf: Ich würde nie wieder in einer Klinik ohne Neonatologie entbinden. Zwar habe ich mich extrem wohl in unserer Klinik gefühlt, jedoch hatte Florian in der ersten Nacht schon Probleme (zu niedriger Blutzucker, niedrige Körpertemperatur) und er wäre wohlmöglich auf einer Neugeborenenstation besser aufgehoben gewesen. Man weiß einfach nie was kommt und ich würde beim nächsten Mal auf jeden Fall darauf achten, dass mein Baby bei Komplikationen sofort entsprechend behandelt werden könnte.

Ihr Lieben - ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich heute mal nicht ganz so fröhlich geschrieben habe wie sonst. Aber, das ist nun mal das Leben, nicht wahr? Gehört einfach dazu. Und wie gesagt, ich wollte unsere Geschichte mit euch teilen, denn wenn ich auch nur einer einzigen verzweifelten Mami mit einem zu kleinen und etwas schwächlichen Kind auf diesem Wege irgendwie die Angst nehmen kann, bin ich schon zufrieden :-) Also - merken: Sehr kleine Babys sind manchmal einfach noch nicht ganz "fertig" und müssen in der Anfangszeit eventuell noch etwas angeschubst werden bis alles rund läuft. Sie können verschiedene Beschwerden haben, die nicht unbedingt wahnsinnig schlimm sind, aber doch unter Umständen behandelt werden müssen.

Diese unangenehme Erfahrung direkt nach der Geburt hat mich aber sicherlich auch abgehärtet und beim ersten Schnupfen werde ich dann ganz cool bleiben ;-)

Und im nächsten Teil dieser Serie werde ich ein bisschen über den neuen Alltag mit Säugling plaudern und euch ein paar Einblicke in unseren Tagesablauf zu dritt geben!

Alles Liebe!
Eure Stilblume
Kommentare on "Von Windeln verweht - Die Geburt und das neue Leben mit Säugling // Teil 2"
  1. Hallo Julia,
    endlich komme ich dazu deinen zweiten Teil vom Babyglück zu lesen. Auch wenn dieser Teil weniger erfreulich ist, ist dieser Teil das Leben. Wie du es schon beschrieben hast. Ich freue mich sehr zu lesen das Florian auf den Weg der Besserung ist und hoffe das er schnell alles aufholt und zu einen gesunden und lebensfrohen Jungen heranwächst. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

    Alles Gute und Lieben Gruß
    Heike

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    1. Liebe Heike,
      und ENDLICH komme ich dazu, dir zu antworten :-) Danke für deine lieben Worte! Es ist so schön zu sehen, wie gut der Floh sich inzwischen entwickelt. Gerade liegt er neben mir und sagt "AOOOUUUUUU".... :-) haha, sehr süß!

      Liebste Grüße!
      Julia

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