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Die 36. SSW // Fast geschafft - Meine Gedanken zur Schwangerschaft

Mittwoch, 17. Februar 2016

Am Anfang meiner Schwangerschaft kam mir alles ganz unwirklich vor. Ich wusste "Ich bin schwanger" - schließlich hatte ich einen Test gemacht. Und auch der Frauenarzt hatte es bestätigt und Woche für Woche auf den Ultraschallbildern auf irgendwelche nicht wirklich identifizierbaren Schatten und Formen gezeigt: "Hier ist der Bauch"... "der weiße Fleck da, das ist die Wirbelsäule"... und so weiter. Aber wirklich glauben konnte ich es oft nicht. Ich habe immer ganz brav zugehört und meistens nicht genau gewusst, wo ich denn jetzt hinschauen soll und achso, das war gar nicht die Nase, sondern das Bein! Aber der kleine Mann in meinem Bauch ist immer größer geworden und irgendwann konnte ich Kopf von Bauch unterscheiden (ok, meistens) und in der S-Bahn seine Bewegungen spüren, wenn ich ganz ganz still gehalten habe. Ich war mir sicher, dass er Züge liebt, weil er immer in der S-Bahn angefangen hat sich ganz wild zu bewegen. Nach und nach ist alles immer realer geworden. Die Kindsbewegungen haben zugenommen und sich nicht mehr nur auf S-Bahn-Fahrten beschränkt. Ich habe dann auch irgendwann wirklich geglaubt, dass da ein kleines Wesen in mir wächst. Spätestens beim ersten Schluckauf :-) Den Moment fand ich sehr besonders. So als wenn jemand in seinem Bauch hüstelt oder niest - eine komische Vorstellung. Es hat das kleine Wesen plötzlich sehr viel menschlicher gemacht.


Ich musste mich erst an den Gedanken vom Schwangersein gewöhnen! Bis ich nichts von der Schwangerschaft gesehen und gespürt habe, fühlte es sich fast so an, als wäre da gar nichts (Ich muss dazu sagen, dass ich auch nicht permanent spucken musste usw. wie manch andere). Lange Zeit fühlte es sich an wie ein kleines Geheimnis, von dem ich nur selbst wusste. Und oft ist das ja auch so, schließlich spricht man anfangs in der Arbeit nicht darüber etc. Auch auf dem Blog habe ich lange Zeit kein Wort darüber verloren.  Fremde haben bei mir bis zum 8. Monat nicht gemerkt, dass ich schwanger bin und einen kleinen Bauch vor mir herschiebe. Und ich muss wirklich sagen, dass ich mir erst jetzt ganz am Ende der Schwangerschaft der vollen Wucht dieser ganzen Erfahrung bewusst werde. Weil ich natürlich weiß, dass bald alles anders ist und mit dem Ende der Schwangerschaft wieder eine ganz neue Phase beginnt - die Zeit mit Kind, die Zeit als richtige kleine Familie. 

Insgesamt war es bis jetzt eine sehr besondere + positive, wenn auch teilweise wirklich sehr surreale Erfahrung. Und ich habe mir gestern ein paar Gedanken darüber gemacht, wie die Schwangerschaft mich bis jetzt verändert oder beeinflusst hat. 

Am meisten hat sie mein Vertrauen in den eigenen Körper + die Bewunderung, zu was dieser fähig ist, gestärkt. Jeden Tag vollbringt der menschliche Körper unglaubliche Leistungen: Unsere Füße tragen uns gefällig von A nach B, unsere Augen sehen für uns und starren stundenlang brav auf irgendwelche Bildschirme, die Lungen versorgen uns permanent mit Sauerstoff. Aber das beachtet man gar nicht weiter, denn es ist ja irgendwie selbstverständlich. Zumindest wenn man gesund ist. Aber wenn man schwanger ist, ändert sich dieses Gefühl zum eigenen Körper irgendwie, finde ich. Man nimmt viel bewusster war, was er jeden Tag für kleine Wunder vollbringt, weil er eben etwas so außergewöhnliches tut, indem er ein kleines Baby heranwachsen lässt. Diese sehr starke Bewunderung des eigenen Körpers ist ein ganz neues Gefühl für mich. Ist man ja auch sonst als Frau eher selbstkritisch und sehr fokussiert auf irgendwelche Makel und Dellen, anstatt wirklich eine gute Beziehung zu seinem Körper zu pflegen. Das ist bei mir jetzt vor der Schwangerschaft allgemein keine Katastrophe gewesen, aber dennoch habe ich natürlich wie die meisten anderen auch meine vermeintlichen "Problemzonen" gesehen und mich ab und zu mal darüber aufgeregt. Aber seit ich schwanger bin, sehe ich das alles gar nicht mehr bzw. ist es mir einfach egal. Verrückt, oder? Vielleicht sind es die Hormone, haha. Aber es erscheint mir angesichts der Tatsache, dass mein Körper ein kleines Kind wachsen und gedeihen lässt, plötzlich unglaublich unwichtig. Mich würde total interessieren, ob es anderen Schwangeren auch so geht...?


Außerdem bin ich gelassener geworden. Weil durch die Schwangerschaft eine unaufhaltsame Abfolge von Prozessen etc. in Gang gesetzt wurde und ich irgendwie nur total baff beobachten kann, was da alles passiert, habe ich die Kontrolle komplett abgegeben. So nach dem Motto: "Hey Körper, du machst das schon". Und das ist man ja irgendwie auch nicht gewohnt. Sonst habe ich alle Entscheidungen selber getroffen, alles war immer sorgfältig überlegt, unter meiner Kontrolle! Und während manche vielleicht auch ein Problem damit haben komplett loszulassen und die Zügel abzugeben, war das für mich bis jetzt einfach nur schön und total entspannend. So habe ich die Schwangerschaft wirklich sehr gelassen gesehen und blicke auch sehr zuversichtlich auf die Zeit danach mit Baby. Ich war in keinem einzigen Geburtsvorbereitungskurs und lese bis auf ein paar interessante medizinische Infos nichts zum Thema Geburt, Schreikinder oder Brustentzündung. Ich habe ja nichts davon. Stattdessen freue ich mich einfach maßlos! Wird schon alles irgendwie laufen :-) Natürlich wird mir ab und zu etwas mulmig wenn ich an die bevorstehende Geburt denke, schließlich mache ich das zum ersten Mal. Aber sie wird ihren natürlichen Lauf nehmen, egal wie ich darüber denke. Und deswegen entspanne ich dann auch ganz schnell wieder. Und diese Gelassenheit hat sich auch auf andere Bereiche in meinem Leben übertragen, was ein angenehmer Nebeneffekt ist.


Ein weiteres Gefühl, das die Schwangerschaft in mir ausgelöst hat, ist ein ganz neues Verantwortungsbewusstsein. Es ist ein ganz ungewohntes Gefühl, zu 100% für einen anderen Menschen verantwortlich zu sein. Natürlich hat man da schon ein bisschen Erfahrung wenn man verheiratet ist, da man ja nicht mehr alleine durch's Leben geht und man immer Rücksicht auf den anderen nimmt. Aber mit Zwerg im Bauch ist das nochmal eine ganz andere Nummer. Ich empfinde es außerdem als sehr schönes Gefühl, nicht andauernd im Mittelpunkt meiner Gedanken zu stehen. Es dreht sich nicht alles andauernd um mich und was ich gerade will oder nicht will. Vielleicht ist genau das auch später ab und zu extrem anstrengend, weil man sich oft ganz hinten anstellen muss, aber bis jetzt empfinde ich es als sehr erfrischend.

Ich weiß, dass viele von euch (noch) keine Kinder haben und sich daher vielleicht mit der Thematik nicht so wirklich identifizieren können. Aber falls ihr den Text doch lest, dann kann ich euch jetzt schon sagen, dass die Schwangerschaft so eine schöne Erfahrung ist und ihr euch richtig darauf freuen könnt (sollte es mal dazu kommen). Jetzt mal abgesehen von komplizierten Schwangerschaftsverläufen oder so - ich meine jetzt einfach nur, wie die Erfahrung im Allgemeinen einen prägt.

An alle, die selbst schon ein Baby bekommen haben: Wie seht ihr das alles? Hattet ihr ähnliche Gefühle? Oder habt ihr die Schwangerschaft für euch anders wahrgenommen? War es am Anfang auch so surreal für euch? :-)

Ich bin so gespannt, was die nächsten paar Wochen noch bringen und was danach alles auf mich zukommt :-) Und ich hoffe, dieser zur Abwechslung mal etwas persönlichere Text hat euch gefallen. Lasst es mich gerne wissen, wenn ihr euch in Zukunft mehr davon wünscht :-)


Alles Liebe
Eure Stilblume
Kommentare on "Die 36. SSW // Fast geschafft - Meine Gedanken zur Schwangerschaft"
  1. Liebe Julia, ich lese deine Posts immer unglaublich gern und auch dieser über deine Schwangerschaft ist wunderschön! Ich finde deine Einstellung sich nicht verrückt machen zu lassen total richtig.
    Ich bin zwar erst 20, aber schon jahrelang mit meinem Freund zusammen und da denke ich auch schonmal über Schwangerschaft und Kinder nach. Zwar bin ich noch die einzige in meinem Freundeskreis, aber ich freue mich jetzt schon irgendwann auch dieses wundervolle Gefühl im Bauch wie du zu haben und eigene Kinder zu bekommen.
    Alles Gute weiterhin!! LG Anne (tanteenna) :)

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    1. Oh, es freut mich so, das zu hören. Man weiß ja oft nicht so wirklich wie die Texte ankommen - ich freue mich dann immer total von meinen Lesern zu hören :-)
      Und ich finde es super, dass du dich schon mit dem Thema auseinandersetzt. Es gibt ja auch kein "richtiges" Alter für Kinder. Irgendwann ist man einfach bereit :-) Ich bin in meinem Freundeskreis übrigens auch die erste... ganz schön aufregend!

      Alles Liebe!
      Julia

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  2. Liebe Julia, dein Text ist soooo schön! Auch ich bin in der 36. SSW und jetzt wo es sozusagen dem Endspurt zugeht, wird es mir so wirklich bewusst, was in den letzten Monaten so passiert ist. Zugegebener Maßen konnte ich mich am Anfang mit dem "rundwerden" nicht so wirklich anfreunden und ich habe es lange versucht zu kaschieren - jetzt wo das schon lange nicht mehr geht und ich mich an den Bauch gewöhnt habe, muss ich sagen, werde ich schon fast ein bisschen wehmütig, dass er auch schon bald wieder weg sein wird (zumindest ein bisschen ;), denn wie ich mich kenne bleiben einige Pfunde bei mir zurück! ) Dass du keinen Geburtsvorbereitungskurs gemacht hast, obwohl du in der ersten SS bist, finde ich mutig , aber du hast recht, der Körper ist dafür konzipiert und es haben auch schon viele vor uns Kinder bekommen ohne Kurs warum sollte es bei uns anders sein? ;)
    Ich wünsche dir für die letzten Wochen alles Liebe und Gute, noch so viel Schlaf wie nur möglich und eine komplikationslose Geburt!

    Ich geh dann mal die Kliniktasche packen! ;)
    Liebe Grüße, Dori

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    1. Dankeschön, liebe Dori!! Uiiiii, wir sind beide in der 36. Woche - wie aufregend :-D Ja - ich werde meinen Bauch wahrscheinlich auch ein kleines bisschen vermissen - obwohl es jetzt schon echt mühsam wird teilweise. Wenn ich mich nachts wie ein Walfisch umdrehe, fällt mein Mann fast aus dem Bett, haha!
      Ich wünsche dir auch alles, alles Gute für die restliche Schwangerschaft und für die Anfangszeit mit Baby :-)

      Liebe Grüße!
      Julia

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  3. Hallo Julia, ein ganz toller Post :) Ich bin vor 2,5 Jahren zum ersten Mal Mama geworden und ich kann deine Erfahrungen voll und ganz bestätigen :) Auch mir ist vieles surreal vorgekommen und ich habe wirklich gestaunt wie der Körper die Schwangerschaft verändert und was "im Kopf" alles mit einem passiert. Ich habe meine Schwangerschaft als unheimlich positiv in Erinnerung - alles war so entspannt und problemlos - genau wie dann die Geburt. Die Akupunktur in den letzten vier Wochen vor der Geburt hat mir (so bilde ich es mir jedenfalls ein) sehr geholfen :))) Was ich auch zu 100% nachvollziehen kann ist der Respekt für das plötzliche verantwortlich sein für einen anderen Menschen. Das ist schon etwas woran ich immer noch knabbere, schließlich muss ich alle wichtigen Entscheidungen treffen die ein anderes Leben maßgeblich beeinflussen. Aber wie du so schön geschrieben hast, man kann vieles nicht kontrollieren bzw. beeinflussen uns je entspannter man an die Dinge herangeht desto besser :)

    Alles Liebe und genieße die letzten Stunden der Zweisamkeit bevor dein kleiner Zwerg alles auf den Kopf stellt ;)



    http://www.homeofhappy.at

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar! Ja - sicherlich wird mich diese neue Verantwortung auch noch sehr fordern, wenn das Baby dann da ist. Dann verändert sich ja auch noch so einiges, was jetzt alles noch sehr abstrakt scheint.

      Und ja, wir genießen momentan jeden Moment zu zweit bevor sich hier alles verändert, hihi. Mutterschutz ist schon was Schönes - man hat plötzlich so viel Zeit! Und da mein Mann Zuhause arbeitet verbringen wir im Prinzip den ganzen Tag zusammen :-)

      Liebe Grüße!
      Julia

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  4. Schön hast Du das geschrieben! Mann weiß jetzt auch Bescheid, sich in die Frauenwelt mit Bauch hinein zu versetzen.

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  5. Die Schwangerschaft steht dir unheimlich gut, der "Glow" ist aber mal sowas von da!! :-)
    Es ist schön zu lesen, dass du so eine positive und angenehme Schwangerschaft hast und hattest, ich wünsche dir einen ebenso entspannten Endspurt und alles Gute für die Geburt! Wir freuen uns schon, den kleinen Mann hoffentlich bald kennenzulernen. Und immer weiter so mit dem Blog :-)
    Alles Liebe aus Berlin!!
    Franzi

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  6. Liebe Stilblume,

    ich habe vier Kinder und bin auch schon relativ früh schwanger geworden - was ich nie bereut habe. Man hat so viel länger was von seinen Kindern.
    Die Schwangerschaften waren für mich SEHR real. Bis auf eine, musste ich mich permanent von ersten bis zum letzten Tag übergeben. Bei den beiden kleinen Kindern war ich 34 und 36. Da habe ich gemerkt, das ich keine 20 mehr bin. Damals habe ich das alles besser weggesteckt.
    Ich finde es gut, das du dich vorher nicht verrückt machst. Genau so habe ich es auch gehalten. Wenn man nicht komplett blöd ist, kann man sich ganz wunderbar auf seinen Instinkt verlassen und lass dir bloß nichts anderes einreden. Ich war nei in einem Geburtsvorbereitungskurs. Jedes Kind ist anders, jede Geburt, jede Mutter. Da gibt es kein Patentrezept. Hör auf deinen Bauch und auf dann Herz, dann läuft die Sache (mit allem - nicht nur der Geburt).
    Wenn ich dir einen kleinen Rat für die Geburt geben darf: Bleib ruhig, gerate nicht in Panik, auch wenn es schmerzhaft sein wird. Versuche einfach ruhig zu atmen, bei dir zu sein und so weit es geht dich zu entspannen. Dann tut es fast gar nicht weh ;-)

    Liebe Grüße aus Berlin
    Doreen

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    1. Liebe Doreen,

      danke für deinen Kommentar :-) Ich höre immer so gerne von Leserinnen, die selber schon Kinder haben.
      Tut mir Leid, dass einige deiner Schwangerschaften nicht ganz so entspannt waren wie meine - da bin ich wirklich dankbar, dass mir gar nicht schlecht war etc. Schon verrückt, wie unterschiedlich das laufen kann, oder?

      Ganz liebe Grüße, hab eine schöne Woche :-)
      Julia

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